Es gibt eine neue Studie, die untersucht hat, ob die Jobkrise unter Entwicklern tatsächlich am Release von ChatGPT lag oder nicht. Ergebnis: Lag nicht daran, weil das Arbeitslogiskeitsrisiko schon vorher stieg.
Ich kenne keinen Entwickler in Deutschland, der seinen Job wegen “KI” verloren hat. Und ich glaube, das bleibt auch erstmal so.
Mir ist außerdem nicht ganz schlüssig dargelegt, wie “KI” überhaupt Entwickler ersetzen soll. Es entstehen zu viele Probleme beim Generieren von Code - angefangen von Sicherheitslücken bis hin zu Urheberrechtsverletzungen und allem dazwischen und außerhalb. Da hat sich in den letzten 3 Jahren nicht viel geändert, außer dass immer mehr darüber berichtet wurde. Gleichzeitig scheinen aber immer weniger Menschen wirklich darüber nachzudenken, was das denn bedeutet.
Manche kontern das gerne mit: “Da gibt’s doch Tools dafür”. Da muss man sich meist mit dazu denken: “Ja, aber die basieren auch auf”KI”“. Wenn”KI” beim Generieren von Code unzuverlässig ist, also halluziniert, Sicherheitslücken “einbaut” und/oder Urheberrechtsverletzungen durchführt, wie soll sie dann bei der Überprüfung von Code durch (die selbe) “KI” zuverlässiger sein?
Es gibt natürlich Leute, die bis 2022 ihren Code selbst geschrieben und dann, als ChatGPT released wurde, angefangen haben, den von “KI” erzeugen zu lassen. Sie sind also 2022 stehen geblieben in ihrer persönlichen Entwicklung als Entwickler und somit für den heutigen Job-Markt uninteressant. Als Entwickler muss man stets auf dem Laufenden sein, man lernt das explorativ und das Lernen sollte nie aufhören.
Ja, der Einstieg in die Branche ist für Berufseinsteiger schwieriger geworden. Das liegt aber nicht unbedingt an “KI”, sondern daran, dass die Jahre zuvor die Branche quasi überbezahlt war. Jetzt geht es der Wirtschaft mal nicht so gut, deshalb wird auch weniger in die Ausbildung von Junior-Entwicklern investiert. So läuft das nun mal.
Ich glaube, das wird sich wieder ändern. Die Nachfrage nach digital-souveränen IT-Lösungen wird zunehmen in nächster Zeit, deshalb glaube ich nicht an eine nachhaltige Krise im IT-Job-Markt.
Aus meiner Sicht gibt es übrigens eine etwas in Vergessenheit geratene und schwach besetzte Nische: Entwicklung ressourcenschonender, effizienter Software, also das Gegenteil von Bloatware. Viele Unternehmen verstehen aber (noch) nicht, warum das ein sinnvoller Ansatz ist, sondern bauen immer noch alles auf Riesen-Frameworks auf und zahlen lieber mehr für Cloud-Infrastrukturen, anstatt zu optimieren.
Eine weitere Studie zu dem Thema zeigt übrigens, dass die Wahrnehmung, “KI” sei ein “Jobkiller” die Einstellung zur Demokratie negativ beeinflusst.
„Wenn Menschen das Gefühl haben, von Künstlicher Intelligenz verdrängt zu werden, äußern sie Zweifel am politischen System - diese Leute sind weniger zufrieden mit Demokratie und ihren Institutionen“, fasst Studienautor Professor Christoph Fuchs von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien zusammen.
Wie die Autoren aber auch sagen, ist es wichtig, dass die Zukunft keineswegs feststeht. Aktuell ist - obwohl es nun seit 3 Jahren “KI” für alle gibt - noch ziemlich unklar, ob sie wirklich Jobs ersetzen kann oder nur ein Beiwerk ist, das gewisse Aufgaben übernimmt. Aufgrund von hohen Fehlerraten, Halluzinationen, ungeklärter Urheberrechtsfragen u.v.m. wird es noch eine Weile dauern, bis Klarheit besteht.
Aus meiner Sicht sollte man sich gut überlegen, für was man “KI” einsetzt. Wenn man das nutzt, um damit Posts für LinkedIn und Social Media, Blog-Artikel, Politisches oder Berichte zu generieren, zeigt man vor allem: Man ist ersetzbar und unwichtig, da jeder diese Inhalte generieren könnte.