Im Laufe des letzten Jahres habe ich für mich die Entscheidung getroffen, im Arbeitsalltag (fast) ausschließlich Open-Source-Software einzusetzen - privat, beruflich und in meinem Unternehmen. „Fast“, weil es zwei Ausnahmen gibt: meine Buchhaltungssoftware und PHPStorm. Als Betriebssystem nutze ich derzeit Kubuntu (KDE Plasma ist einfach toll!).
Für die Buchhaltung kenne ich aktuell keine quelloffene Lösung, die Bilanzierung vernünftig abbildet und bei gesetzlichen Änderungen zuverlässig nachzieht. Und PHPStorm nutze ich weiterhin, weil die IDE für mich und meine PHP- und Symfony-Projekte schlicht am besten funktioniert. In beiden Fällen sind es immerhin europäische Anbieter.
Was mir noch fehlte, war ein Tool zur Online-Terminvereinbarung. Ich möchte meinen Kunden und Projektpartnern einfach nur einen Link schicken, über diesen sie sich selbst einen passenden Termin buchen können. Klar, es gibt viele bekannte Lösungen: Calendly, Microsoft, Google, cal.com und andere. Aber eine europäische Open-Source-Software, das halbwegs ausgereift war und weiterentwickelt wird, habe ich nicht gefunden.
Mir war wichtig, dass die Synchronisierung über CalDAV läuft. Das Protokoll wird von praktisch allen gängigen Kalendern unterstützt - egal ob Microsoft, Google, Apple oder Open-Xchange (z.B. mailbox.org). Die Idee ist simpel: Das Tool gleicht sich mit meinem Kalender ab, zeigt verfügbare Zeiträume an und verhindert so Doppelbuchungen. Ohne proprietäre Schnittstellen, ohne Umwege.
Die bestehenden Lösungen konnten das entweder nicht nativ, waren nicht quelloffen oder kamen aus den USA. Also habe ich angefangen, selbst etwas zu bauen. Daraus ist OpenCal entstanden.
Es gibt sogar schon erstes Interesse: Nachdem ich Ende 2025 auf LinkedIn darüber geschrieben habe, hat sich der Kanton Basel (Schweiz) gemeldet. Wir haben in einem Video-Call über Anforderungen gesprochen. Die kann OpenCal aktuell noch nicht vollständig erfüllen - aber allein das Interesse zeigt mir, dass das Thema nicht nur für mich relevant ist. Auch Rechtsanwälte und Unternehmen haben Interesse bekundet.
Gestern habe ich die erste Version veröffentlicht.
OpenCal läuft als Docker-Container und kann problemlos selbst gehostet werden. Frontend und Backend sind getrennt. Das Backend stellt eine REST-API bereit, sodass man auch nur die API nutzen und ein eigenes Frontend bauen oder das Ganze in eine bestehende Website integrieren kann. Wer möchte, kann also flexibel bleiben.
OpenCal ist noch jung. Es wird Ecken und Kanten geben. Genau deshalb freue ich mich über Menschen, die es ausprobieren, Feedback geben, Bugs melden oder Features beitragen wollen.
Wer mitmachen möchte, kann sich direkt unter git.var-lab.com registrieren.
Digitale Souveränität ist erreichbar, wenn möglichst viele Menschen sich aktiv an Open-Source-Projekten beteiligen und ihr Know-How, ihre Erfahrungen und ihre Ideen beisteuern.